Wein der Provence
Das Weinbaugebiet
Ab ca. 600 v. Chr. ließen sich griechische Einwanderer, die Phokäer, in der Region nieder und gründeten mit Massilia (Marseille) die älteste Stadt Frankreichs. Ab ca. 250 v. Chr. pflanzten sie dort die ersten Weinreben an und förderten den Anbau von Oliven – eine Verbindung, die es gut miteinander aushält: Auch heute produzieren viele Winzer Olivenöl und Tapenaden. Oft verfügen sie außerdem über Feigenbäume, da alle drei im selben Klima gedeihen.
Bekanntermaßen verfügt Frankreich fast flächendeckend über Weinberge von internationalem Renommee; wir beschäftigen uns hier speziell mit dem Süden und den Gebieten der Region „PACA“, gemeinhin als Provence bekannt. PACA ist die umgangssprachliche Abkürzung für die geografische Region Provence-Alpes-Côte-d’Azur. Die Provence (Var, 83) liegt in etwa zwischen Marseille und Fréjus und umfasst ein breites Gebiet mit viel grünem Hinterland. Die Côte d’Azur (Alpes-Maritimes, 06) bezeichnet den schillernden Küstenstreifen um Nizza bis nach Monaco, und die Alpes (Alpes-de-Haute-Provence, 04, und Hautes-Alpes, 05) sind die Seealpen, die vom Hinterland bis nach Nizza reichen. Es ist übrigens eine Tatsache, dass das Mittelmeer an der Cote d’Azur meistens türkisblau oder türkisgrün ist, je nach Wind- und Wetterlage, und in der Provence eher satt blau.
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AOC/ AOP – Das Qualitätsmerkmal : Appellation d’Origine Controlée
Auf der Qualitätspyramide stehen AOP-Weine ganz oben. Es folgen Landweine (Vin de Pays, neuerdings IGP) und Tafelweine (Vin de Table, seit 2009 Vin de France). IGP-Weine (indication géographique protégée) unterliegen weniger strengen Kriterien und Vin de France bieten dem Winzer am meisten gestalterische Freiheit. Je kleiner das Gebiet ist, desto höher die Qualitätsanforderungen. Gemäβ der EU-Regelungen sind AOC Weine seit 2009 AOP-Weine: appellation d’origine protégée (zuvor: controlée).
Die Provence als Weinbaugebiet erstreckt sich über ein Gebiet, das von Avignon bis zu den Seealpen reicht und einheitlich über warmes Mittelmeerklima verfügt, in dem allerdings auf unterschiedlichen Höhenlagen verschiedene kühle Luftströmungen fließen. Provence meint vier regionale und fünf lokale Herkunftsbezeichnungen (Appellationen).
Die regionalen Herkunfstbezeichnungen sind Côtes de Provence, Coteaux Varois en Provence, Coteaux d’Aix-en-Provence und weniger bekannt Coteaux de Pierrevert zählen zu den regionalen Appellationen.
Unter den lokalen Appellationen sind die drei bekanntesten Bandol, Cassis und Bellet; hinzu kommen Les-Baux-de-Provence (Bouches-du-Rhône) und Palette (Aix).
Die Provence ist berühmt für die Produktion von Roséweinen, produziert aber auch ganz hervorragende Rot- und Weißweine.
Klima & Thermik
So unterschiedlich wie die Farbe des Wassers in der Provence und an der Côte d’Azur ist auch das Klima. Beides ist mediterranes Klima, doch es gibt Unterschiede. In der Provence wehen spontane starke bis sturmartige Winde, Mistral genannt, die winters wie sommers plötzlich auftreten und verschwinden, teilweise Tage später, und immer trocken sind. An der Côte d’Azur ist es überwiegend windstill, wobei auf den Anhöhen, also in Bellet, stets ein laues Lüftchen die Weinreben umweht : Berg- und Talwinde, die sich dank der einmaligen Lage zwischen Wasser und Gebirge ergeben.
Möglicherweise ist der Himmel über Nizza tatsächlich ein bisschen öfters blau als in der Provence, wie man in Nizza gern behauptet, dafür ist allerdings die Nähe zur Natur in der Provence praktisch überall gegeben und an der Côte d’Azur eher ein Privileg.
Wenn man von Nizza Richtung Marseille unterwegs ist, erfährt man selbst auf der Autobahn ab etwa Fréjus ein Sinneserlebnis der besonderen Art: urplötzlich strömt der angenehme Duft der Provence durch Fenster oder Lüftung. Es riecht nach Pinienwäldern, nach Freiheit und Ferien und sieht auch fast überall danach aus. Die Landschaft ist zu jeder Jahreszeit eindrucksvoll und bietet schon von der Autobahn aus einen angenehmen Kontrast zum bunten und oft betonierten Treiben an der schillernden Côte d’Azur.
Thermik
“ist eine Form des Aufwindes, die dadurch entsteht, dass Sonneneinstrahlung die Erdoberfläche und in der Folge die Luft in Bodennähe erwärmt. Diese Konvektion transportiert im Tagesverlauf von der Sonne erwärmte Luft in größere Höhen und bringt gleichzeitig kühlere Luft aus mehreren hundert Metern Höhe zum Erdboden. Bergsteiger spüren diesen Aufwind oft beim nachmittäglichen Abstieg als warmen Gegenwind aus dem Tal.” (Wikipedia DE)
Mikroklima
Das Weingebiet Bellet in Nizza umwehen das ganze Jahr hindurch von den Alpen absteigende Winde und von der Küste aufsteigende Winde. Dieses außergewöhnliche Mikroklima hat besonderen Einfluss auf die Weine. Morgens weht das Lüftchen vom Gebirge zum Meer, nachmittags andersrum, weil Sonne zuerst den Berg erwärmt, dann das Meer, und der Wind weht von warm zu kalt.
Die Wetterlage ist auch hier natürlich immer ein Thema. Südfrankreich hat, im Gegensatz zu dem Deutschland wie ich es kenne, tatsächlich noch „richtiges“ Wetter: Jahreszeiten. Der Winter ist kalt und nass, mitunter schneit es sogar an der Küste (zuletzt im Frühjahr 2018). Der Frühling beginnt mit Ostern und meistens, nachdem die ersten Touristen in Shorts beim Hamsterkauf im Supermarkt gesichtet wurden, während die Einheimischen immer noch den Schal umhängen. Er ist warm mit kühlem Wind.
Der Sommer ist heiß und trocken, mit schlimmen Gewittern im August, bei denen sich der Himmel zum Teil schwarz färbt, und der Herbst ist ein angenehmer Übergang, ein Ausklang und eine Periode voller Tatendrang. Bei der Arbeit auf dem Weinberg kann es im September durchaus vorkommen, dass man die dicke Winterjacke und Handschuh braucht, wohingegen es auch keine wirkliche Seltenheit ist, dass man noch Ende Oktober am Strand sitzt/liegt.
Es gibt also von allem etwas und mancherorts auch von allem zugleich. So gibt es wie bereits erwähnt, in der Nähe von Antibes, in Villeneuve-Loubet, eine Stelle von der aus Sie im Frühjahr und Herbst einen besonders beeindruckenden Panoramablick haben: Regelmäßig sind dort Mutige in Badezeug anzutreffen, die sich sonnen oder baden gehen, während im Hintergrund schneebedeckte Berge zum Himmel leuchten.
Tatsächlich trennen diese zwei Szenen nur etwa 2 Stunden Autofahrt, d.h. Sie können problemlos am selben Tag durch den Schnee wedeln und im Mittelmeer baden. Liberté ! Meine ganz persönliche Definition von Luxus erfüllt sich ebenfalls an diesem Ort, denn man kann ohne den Kopf zu drehen, das Mittelmeer und die schneebedeckten Berge sehen.
Nach dem Weinbaugebiet Bellet an der Cote d’Azur und der Vorstellung einzelner dazugehöriger Weingüter, möchten wir uns als nächstes den Gebieten Bandol und Cassis in der Provence widmen. (Anm. d. Red., 2026: Dazu kam es erstaunlicherweise nie, aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben.)
À la vôtre !
Beitrag erstmals veröffentlicht am 12 Mai 2017 auf artofexpression.fr